Dienstag, 22. Dezember 2009

Denver Clan

Das Leben ist unfair. Kaum schreibt meine Kollegin wieder Protokoll, schon halten sie alle die Klappe, essen ihren russischen Zupfkuchen und hecheln alle Tagungsordnungspunkte durch, als würde da noch ne Weihnachtsfeier warten. Um PUNKT 18:00 Uhr schloss der Oberbürgermeister (auch liebevoll OB genannt) die Sitzung und wir wanderten alle gen Kunsthalle Schnarchitowns. Mit meinen 38 Jahren fuhr ich dort schon unzählige Male vorbei, hatte sie aber noch nie von innen gesehen und ich war gespannt. Nicht gespannt wie ein Flitzebogen, aber...freudig erregt. Im Vorfeld hatte es eine Menge Probleme gegeben. Der Direktor der Kunsthalle hatte diverse Bedenken geäußert, schließlich hingen dort auch wertvolle Werke. Meine Kollegin und ich hatten eigentlich gar nix mit der Organisation zu tun wurden natürlich trotzdem bestens informiert über die organisatorischen Herausforderung "Weihnachtsfeier Kunsthalle".

Aber wenn man an seinem Schreibtisch sitzt und den Schilderungen der Organisatorin zuhört, ist Kunst natürlich 500 Dimensionen weit weg und man fragt sich eigentlich nur, wieso sich der Mann (also der Kunsthallendirektor) so anstellt. Vermutlich fragt sich aber auch die gemeine Rockband wieso Hoteldirektoren so pissig sind, wenn sie das Mobiliar eines Hotelzimmers zertrümmert. Keiner konnte wirklich im Büro nachvollziehen was der Mann hat und es wurde einstimmig beschlossen, dass der Mann nicht mehr alle Rasseln an der Schelle hat.

Aber so war es keinesfalls.

Man muss die Bilder und die Gemälde sehen und sich in ihrer Gegenwart befinden. Dann erahnt man so ein wenig den Wert - nicht den finanziellen, sondern den ideellen Wert. Wir bekamen eine Führung, die viel zu kurz war. Der Direktor war fesselnd und informativ (aber nicht so, dass die Informationen losgaloppierten und man platt am Boden liegt) und die Bilder, die er erklärte waren interessant und hatten oft eine Tiefe, die über reine Schönheit hinausgeht. Man musste sie erstmal entdecken.

Alles hat gepasst. Der Ort, die Beleuchtung, das Essen, die Getränke, die Tischdekoration. Und ich habe die Frau meines Chefs kennengelernt.

Normalerweise stellt der mich jedem Grashalm vor. Wenn morgens nicht der rote Teppich für meinen großen Auftritt im Büro ausgerollt wird, dann hat der Tag noch nicht wirklich angefangen. Zumindest in den Augen meines Chefs. Seiner Frau hat er mich aber nicht vorgestellt. Was unter Umständen daran gelegen haben mag, dass die Kommunikation zwischen den beiden brach lag und sie sich selten überhaupt in der Nähe voneinander befanden.

Kontrastprogramm war der zweite Vorständer, der sichtlich verliebt in seine Frau strahlte, als er sie sah. So als würde ihm die Sonne nicht nur aus dem Popo sondern aus allen Poren scheinen. Und aus den Augen noch dazu sprühen.

Wie gesagt - Kontrastprogramm. Sie ging um 10. Vorher hatten wir uns einander "bekannt" gemacht und sie fragte mich gleich wieviel Urlaub ihr Mann noch hätte in diesem Jahr.

Schlagartig wuchsen mir schulterlange Locken, ich trug ein Negligée (oder wahlweise einen Hosenanzug mit viel Schulterpolster), hatte 5 Lagen Mascara auf den Wimpern und ich hieß Alexis und ich sagte "sechseinhalb Tage" - wohl wissend, dass ich gar nicht anders konnte, als die Verwalterin der Cheffreizeit und damit die Bösewichtin zu sein.

Dabei bin ich nur mir dem Originalplan angetreten, Vorstandsassistentin zu sein.

Vielleicht morgen mehr, ich weiß es noch nicht. Kürzlich habe ich wieder angefangen in mein Tagebuch zu schreiben und die Abenteuer des Herzens stehn dort. Man muss mich schon kidnappen, um sie zu lesen. Oder nett fragen, geht auch.

Mal sehen.

Sonntag, 20. Dezember 2009

Frau Doktor bei der Arbeit

For it may just come true.

Frau Doktor sucht nen Freund/3

Careful what you wish for.

Dienstag, 15. Dezember 2009

sms

Ich wusste es, als mein SMS-Signal ertönte. Nash´s Dad ist tot.

Hab angerufen. Long distance handy call. Kosten? worscht. Es bricht mir wirklich das Herz, N. am Telefon so traurig zu hören. Ich stelle jetzt eine oder hundert Kerzen auf und bete. Mach ich normalerweise nicht, aber heute schon.

xxx

Sonntag, 13. Dezember 2009

Ich weiß, ich biete meinen Lesern momentan nicht viel. Es war ein sehr anstrengendes Jahr und ich genieße es, nichts zu meckern zu haben. Und ich habe auch keine Geschichten zu erzählen, denn ich erlebe sie. Mein Projekt "Frau Doktor sucht nen Freund" war schon von Anfang an nicht als Projekt ausgelegt, sondern als Möglichkeit, die vorher nicht in Betracht gezogen wurde.

2009 war mein Jahr. Es war aufregend, anstrengend, herzerweichend. Es war neu und trotzdem vertraut. Ich muss mich erst mal wieder zurechtfinden. Ich muss erst mal sehen, wie ich meinen Chef einzuschätzen habe. Ich muss die richtigen Worte finden für meinen Schwan (N.), dessen Vater entweder heute oder morgen oder übermorgen stirbt. Ich muss erstmal wieder Richtung finden.

Und dann muss ich noch zusehen, dass ich meinen Handwerker gut verstehe, der letztens so romantisch wurde, dass ich rot wurde.

Es ist ganz einfach die gleiche Stelle, an der ich mein Leben lebe - aber nicht das selbe Leben. Ich muss mich einfinden bevor ich wieder witzig werde.

Und ich hätte gerne wieder einen Kater aber keine Ahnung, wie er denn sein soll. Denn keiner kann so großartig sein, wie es Alfred war.

Kann mir jemand mal einen Kater schenken? Selbst aussuchen kann ich ihn mir nicht, weil ich dann vergleiche. In diesem Punkt wäre ich zu gerne fremdbestimmt.

Freitag, 11. Dezember 2009

Weihnachten

Ich bin so gar kein Weihnachtsmensch.

Weder dekoriere ich meine Wohnung weihnachtlich, noch kann man mir mit Lebkuchen eine Freude machen. Ein Stollen ist für mich eine echte Tortur und ist er mit Marzipan gefüllt, dann ist er komplett indiskutabel. Ich mag HÖCHSTENS mal ein Stück Spekulatius in Kaffee getunkt. Alle zehn Jahre mal.

Mein Chef fragte mich vorhin, ob wir uns morgen zum Weihnachtsbaumschlagen treffen. Ich brauche weder einen Weihnachtsbaum, noch muss ich irgendwas schlagen oder irgendwen. Ich muss aber dringend meine Wohnung aufräumen und vorallem putzen.

Also sagte ich nein.

Für Weihnachten.

Obwohl ich seine Jungs gerne kennengelernt hätte. Und seine Chefin auch.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Partner

In fast einer Woche ist es soweit. Wir versammeln uns kollektiv im kleinen Schwarzen (Frau) oder im gähnend langweiligen Anzug (Mann) in der Kunsthalle Schnarchitowns mitsamt Partner und saufen uns den Kopp zu, während Sushi angeboten wird.

Was ich toll finde. Jede Sushigelegenheit ist eine gute Sushigelegenheit in meinen Augen. Vor allem in Schnarchitown.

Ich freue mich, die Frau meines Chefs kennenzulernen. Ich stelle sie mir so ein wenig wie eine Mischung zwischen Ghandi und Hitler vor. Nicht visuell, selbstverständlich. Ich kann mir nur einfach nicht vorstellen, dass man guten Gemütes sein kann, wenn der Partner und Vater der Söhne andauernd abwesend ist. Wenn er fast nie eine Geschichte vorlesen kann, weil er in irgendeiner Haupt- und Finanzsitzung sitzt. Oder die Studie "Glückliches Schnarchitown" in Auftrag gibt und sich eigentich einen Scheiß darum kümmert, wie es mit seinem eigenen Glück aussieht.

Mein Vater war auch nie da. Ich war nicht böse, sondern froh, WENN er dann mal da war. Meine Mutter musste mir immer versprechen, dass sie mich aufweckt, wenn mein Dad nachhause kam. Oft weckte sie mich nicht auf - und wahrscheinlich war sie eine kluge Frau, denn Papa hatte mir wieder nicht die Babygiraffe aus Afrika mitgebracht.

Das war immer enttäuschend und ich musste erst knapp zwanzig werden bis ich begriff, dass ich niemals eine Babygiraffe haben würde. Und ich musste erst 38 werden, um zu erkennen, dass mir eine Giraffe grundsätzlich schlecht in den Kram (& Wohnung) passen würde.

Ich möchte die Frau kennenlernen, die sich jeden Tag mit Babygiraffen auseinandersetzen muss und sich wacker schlägt. Ich freue mich wirklich auf das Treffen. Und ich bin gespannt.